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Schifffahrt

Lago Maggiore: Konsortium der Aufschübe

Noch immer ist die Zukunft des Konsortiums für die Schifffahrt auf dem Lago Maggiore unsicher. Die Verhandlungen zwischen der Schifffahrtsgesellschaft Luganersee (SNL) und dem Management der italienischen NLM (Navigazione Lago Maggiore), die schon im vergangenen Dezember um zwei Monate verlängert wurden, werden nochmals um einen Monat hinausgezögert. Diese Unsicherheit so kurz vor Ostern hilft niemandem. Die acht Schiffsleute, die im Dezember entlassen wurden, müssen weiterhin zu Hause bleiben.

Vorerst verkehren die Schiffe zwischen Magadino und dem Gambarogno weiter. Der minimale Winterdienst wird durch SNL-Mitarbeitende aus Lugano gewährleistet. Die acht Mitarbeitenden, die eigentlich auf dieser Linie arbeiten sollten, schauen indes mit Bedauern und Wut vom Ufer aus zu. Sie würden gerne arbeiten, und wie sie das möchten! Aber sie dürfen nicht. Sie warten darauf, dass die beiden Gesellschaften eine Einigung für die Fortsetzung des Konsortiums erzielen, das sich konsolidieren sollte, um Anfang April in die Saison starten zu können. Sofern nicht wieder etwas dazwischen kommt, wie wir es leider gewohnt sind … Diese unsichere Situation nützt sicherlich niemandem. Nötig wäre mehr Stabilität: für die Beschäftigten, den öffentlichen Dienst und den Tourismus.

Entstehung des Konsortiums

Das Konsortium für die Schifffahrt auf dem Lago Maggiore wurde 2018 ins Leben gerufen, doch über seine Zukunft wird bis heute verhandelt. Die vor drei Jahren vielgepriesene Lösung zur Verbesserung des Schiffsverkehrs lässt auf sich warten. Wir vom SEV kennen die Details der Verhandlungen nicht, auch weil wir nicht direkt daran beteiligt sind. Involviert sind die beiden Schifffahrtsgesellschaften, der Kanton, der Bund und das italienische Verkehrsministerium – also eigentlich alle Akteure, die nötig sind, um eine Situation zu entschärfen, die objektiv untragbar geworden ist. Alle beteiligten Parteien sind natürlich guten Willens und behaupten, dass sie wirklich ihr Möglichstes tun. Schlimm, wenn es nicht so wäre. Aber am Ende zählen wie immer nur die Ergebnisse, und im Moment gibt es keine.

Die Verhandlungen sollen also nochmals einen Monat dauern. Die entlassenen Mitarbeitenden und die Gewerkschaften mussten es zur Kenntnis nehmen. So kurz vor Ostern und dem Start der Tourismussaison – soweit trotz Corona möglich – wissen wir immer noch nicht, wie es ausgehen wird. Staatsrat Claudio Zali hat kürzlich erklärt: «Die gesamte Schifffahrt im Schweizer Becken des Lago Maggiore ist gefährdet, es wäre eine echte Schande, wenn zu Ostern keine Schiffe verkehren könnten.» Kurz, es braucht dringend ein Abkommen, das für Stabilität sorgt. Ideal wäre ein langfristiger Vertrag bis 2026, bis zum Ende der aktuellen Konzession.

Situation der Entlassenen

Und die entlassenen Mitarbeitenden? Im Moment halten sie zusammen, wie sie es immer getan haben. Jede Woche machen sie mit der Gewerkschaft per Videokonferenz eine Bestandesaufnahme. Dank ihrer Einigkeit und Hartnäckigkeit werden sie von der Regierung angehört und von den Medien nicht vergessen: Es wird weiterhin über sie gesprochen. Sie wollen wieder auf ihrem See arbeiten. Doch je mehr Zeit vergeht, desto grösser wird der Druck der Arbeitslosigkeit: Auf ihre Moral, weil die Schiffe ohne sie verkehren, und weil sie andere Jobangebote erhalten, die sie nicht ablehnen dürfen. Somit könnten die normalerweise auf dem Lago Maggiore arbeitenden Schiffsleute bei Saisonbeginn nicht mehr zur Verfügung stehen. Dann wäre die Entwicklung des Schifffahrtsangebots durch Personalmangel gefährdet.

Positiv ist, dass die SNL den Gewerkschaften zugesagt hat, alle Entlassenen wieder einzustellen, sobald das Konsortium konkret wird. Doch die Zeit läuft. Inzwischen wirken Ankündigungen von wundersamen Schifffahrtsangeboten wirklich nicht mehr sehr glaubwürdig. Es besteht ein dringender Bedarf nach konkreten Massnahmen.

Angelo Stroppini / Übers. Jörg Matter