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SBB

Dein GAV ist Gold wert

In knapp einem Monat, am 1. Mai 2019, tritt der GAV SBB/SBB Cargo in Kraft. Er ist für mindestens drei Jahre gültig. Die GAV-Konferenz SBB/SBB Cargo hat den neuen GAV im September 2018 mit 85% angenommen. Einige SEV-Mitglieder sprechen über die kommenden Vorteile.

Ein Gesamtarbeitsvertrag (GAV) –was ist das überhaupt? Er ist ein wichtiges Dokument, das die Anstellungsbedingungen der Angestellten einer Unternehmung regelt. Er bestimmt den Rahmen für das gesamte Personal, das Kollektiv. Wiederum ist es das Kollektiv, das dem GAV seine Macht gibt, denn dank ihm müssen sich die Angestellten nicht alleine verteidigen, sondern sie können sich auf das abstützen, was die SBB mit den Gewerkschaften (oder den Berufsverbänden) verhandelt hat.

Bei der SBB unterstehen 95% des Personals dem GAV, der Rest ist unter dem Obligationenrecht angestellt. Dies ist im Schweizer Vergleich eine enorm hohe Zahl. Doch der GAV SBB/SBB Cargo ist nicht vom Himmel gefallen: «Er ist das Resultat von schwierigen Verhandlungen», erinnert SEV-Vizepräsident Manuel Avallone, der die Verhandlungsdelegation des Personals geleitet hat. «Man muss das Resultat im Kontext betrachten. Die SBB plante einen Kahlschlag: keine zusätzliche Ferienwoche für über 60-Jährige mehr, und auch keine Regionalzulagen. Ferner sollte der Kündigungsschutz aus wirtschaftlichen Gründen aufgeweicht werden. Dank starker Mobilisierung konnten wir in diesen Punkten den Status quo bewahren und die Treueprämien retten, die ebenfalls angegriffen wurden.» Nebst dem Erhalt dieser Errungenschaften konnte der SEV wesentliche Verbesserungen in zentralen Bereichen erzielen, so zum Beispiel bei den Sozialleistungen und beim Schutz vor den Folgen der Digitalisierung.

Vivian Bologna/Übersetzung: kt

 

Das sagen Kolleg/innen

Stefan Bruderer, Lokführer und Aktivist LPV Zürich: Dieser GAV bringt zwei grosse Vorteile: die Erhöhung des Vaterschaftsurlaubs von 10 auf 20 Tage und die Verbesserung der Lohnentwicklung. Für jene, die sich im ersten und zweiten Drittel der Lohnkurve befinden, stehen mehr Mittel zur Verfügung.

 

Janine Truttmann, Zugbegleiterin und Mitglied der SEV-Frauenkommission: Der GAV SBB schützt uns vor den Folgen der Digitalisierung. Neu profitieren wir vom Recht auf Unerreichbarkeit sowie auch dem Recht, sich während der Arbeitszeit zu informieren. So kann man Privatleben und Beruf künftig besser trennen.

 

Yuri de BIasi, Lokführer Kat. A 40 und Präsident RPV Tessin: Der Schutz vor Kündigung aus wirtschaftlichen Gründen ist im Zeitalter der Digitalisierung, in dem hunderte von Arbeitsplätze verschwinden, besonders wichtig. Zudem finanziert die SBB Analysen der beruflichen Situation und Weiterbildungen.

Im Ungleichgewicht

Edito von Manuel Avallone, Vizepräsident SEV

Die SBB hat eine Rekordbilanz präsentiert: Sie steigerte ihren Gewinn 2018 um 42,5 % auf 568 Millionen Franken.

Sie will nun einen Teil des Gewinns, satte 216 Millionen Franken, der Kundschaft zurückgeben und in besseren Service und Sparbillette investieren. Das ist toll und wir begrüssen das.

Es kann aber nicht sein, dass das Personal als Zeichen der Wertschätzung für sein Engagement nur ein Dankeschön von der Konzernleitung erhält und nicht angemessen am Konzerngewinn beteiligt wird (siehe Medienmitteilung vom 19. März 2019). Das gleiche Personal, das unter stetig wachsender Belastung alles gegeben hat, um Top-Dienstleistungen zu erbringen und dieses Rekordresultat zu ermöglichen.

In dieser Diskussion will die SBB ihren Mitarbeitenden Massnahmen als Gewinnbeteiligung verkaufen, die in die Verantwortung eines jeden Unternehmens gehören. So habe sie unter anderem 10 Millionen Franken in den Digitalisierungsfonds einbezahlt. Für den SEV ist es klar die Pflicht des Unternehmens, in die Weiterentwicklung und Befähigung der Mitarbeitenden zu investieren. Die Idee des Digitalisierungsfonds ist ausserdem den GAV-Verhandlungen entsprungen und hat mit der jetzigen Gewinndiskussion rein gar nichts zu tun. Ein echter Hohn ist auch, dass die SBB ihre Beteiligung am Asbestfonds den Mitarbeitenden anrechnen will. Sie, die in der Vergangenheit viel zu oft auf Asbest gesetzt und damit viele Opfer hervorgebracht hat ...

Zur Gewinndiskussion gesellt sich jetzt auch diejenige über temporäre Arbeitskräfte, von denen die SBB in den letzten Jahren immer mehr angestellt hat. Gleichzeitig baut sie feste Stellen ab. Und spart dabei munter Personalkosten. Zudem wurde bekannt, dass CEO Andreas Meyer mit Abgang drohte, falls er 2020 nicht seine gewohnt hohe Entschädigung erhalten sollte!

Als grösste Gewerkschaft des Verkehrspersonals in der Schweiz schauen wir da natürlich genau hin. Denn es kann nicht sein, dass Profitgier auf dem Buckel des Personals ausgetragen wird. Wir setzen uns ein für gute Rahmenbedingungen, wie wir sie im neuen GAV ausgehandelt haben. Der SEV steht auch auf die Hinterbeine, wenn gerechtfertigte Errungenschaften plötzlich infrage gestellt werden, so wie die Vergütung für besondere Arbeitserschwernisse der SBB. Wir bleiben dran – und brauchen die Unterstützung der Mitglieder und derjenigen, die es noch werden wollen!